SCHWIMMGESCHICHTE

Was man beim Schwimmen im Meer bei unterschiedlichen Wassertemperaturen tragen sollte

0 0
Lesezeit:7 Minute, 43 Second

Die Wahl der Kleidung zum Schwimmen im Meer hängt nicht einfach davon ab, ob sich das Wasser „kalt“ anfühlt. Die richtige Kleidung hängt von der Wassertemperatur, der geplanten Schwimmdauer, der Anstrengung, den Wetterbedingungen über der Wasseroberfläche und vor allem von der eigenen Kältetoleranz ab.

Ein Schwimmer, der sich 20 Minuten lang ununterbrochen bewegt, erzeugt deutlich mehr Körperwärme als jemand, der gemächlich treibt, schnorchelt oder bis zur Hüfte im Wasser steht. Wind, Regen und niedrige Lufttemperaturen können die Zeit vor und nach dem Schwimmen zudem wesentlich kälter machen als das Schwimmen selbst.

Daher sollte die Wassertemperatur eher als Richtwert denn als starre Regel betrachtet werden. Der folgende Leitfaden gibt praktische Hinweise darauf, welche Kleidung die meisten Schwimmer bei unterschiedlichen Wassertemperaturen tragen sollten.

Über 22 °C: Normalerweise angenehm in normaler Badebekleidung

Sobald die Wassertemperaturen über etwa 22°C steigen, können die meisten Menschen in normaler Badebekleidung problemlos schwimmen.

Für Freizeitschwimmen reichen Badebekleidung wie Badehose oder Badeshorts in der Regel aus. Leistungsschwimmer und Fitnessschwimmer bevorzugen oft eng anliegende Badebekleidung, da lockerer Stoff den Wasserwiderstand erhöht.

Bei besonders sonnigem Wetter kann ein Rashguard weiterhin nützlich sein. Obwohl sie ursprünglich mit dem Surfen in Verbindung gebracht wurden, erfreuen sich Rashguards zunehmender Beliebtheit bei Freiwasserschwimmern, da sie vor der Sonne schützen und die Reibung im Schulter- und Brustbereich verringern.

Eine leichte, langärmelige Version kann besonders für Personen nützlich sein, die längere Zeit im Wasser verbringen.

Selbst in warmen Meeren kann längeres Schwimmen den Körper jedoch mit der Zeit auskühlen. Wasser leitet Wärme weitaus effizienter ab als Luft, sodass sich eine Temperatur, die sich anfangs angenehm warm anfühlt, nach einer Stunde oder mehr kühl anfühlen kann.

Bei längeren Schwimmstrecken sollten Schwimmer daher eher auf ihr eigenes Befinden achten, anstatt anzunehmen, dass warmes Wasser die Möglichkeit des Auskühlens ausschließt.

18–22 °C: Angenehm für geübte Schwimmer, kühl für andere

Wassertemperaturen zwischen 18 °C und 22 °C sind im Sommer in vielen gemäßigten Küstenregionen üblich. Geübte Schwimmer empfinden diese Temperaturen in normaler Badebekleidung oft als sehr angenehm, insbesondere bei längeren Schwimmstrecken.

Für andere, insbesondere für diejenigen, die nur gelegentlich ins Meer gehen, können sich die ersten paar Minuten deutlich kalt anfühlen.

Ein dünner Neoprenanzug bietet zusätzliche Wärme, ohne einzuengen. Ein 2 mm dünner Shorty-Neoprenanzug, der Oberkörper und Oberschenkel bedeckt, ist oft ausreichend für entspanntes Schwimmen, Paddelsport und Schnorcheln.

Freiwasserschwimmer, die sich mehr Bewegungsfreiheit wünschen, bevorzugen möglicherweise einen ärmellosen oder einen speziellen Schwimm-Neoprenanzug. Schwimm-Neoprenanzüge unterscheiden sich in ihrer Konstruktion von vielen Allzweck-Surf-Neoprenanzügen: Sie verwenden in der Regel flexibleres Neopren im Schulterbereich, wodurch die Arme beim Kraulen eine natürliche Rotation ermöglichen.

Wer keinen Neoprenanzug tragen möchte, kann sich oft wohlfühlen, indem er die Schwimmstrecken relativ kurz hält und sich ständig bewegt.

15–18 °C: Erwägen Sie einen Ganzkörper-Neoprenanzug.

Sobald die Wassertemperaturen unter etwa 18°C fallen, wird der Unterschied zwischen erfahrenen Kaltwasserschwimmern und gelegentlichen Meeresschwimmern viel deutlicher.

Manche an die Temperaturen gewöhnte Schwimmer können bei diesen Temperaturen weiterhin in normaler Badebekleidung schwimmen. Für die meisten Freizeitschwimmer ist das Schwimmen mit einem Neoprenanzug jedoch deutlich angenehmer.

Ein Ganzkörper-Neoprenanzug mit einer Dicke von etwa 2 bis 3 mm ist eine sinnvolle Wahl. Er isoliert Oberkörper, Arme und Beine und bietet gleichzeitig genügend Bewegungsfreiheit zum Schwimmen.

Eine Badekappe kann den Komfort deutlich erhöhen. Standard-Silikonkappen bieten zwar keine nennenswerte Wärmeisolation, reduzieren aber die Sonneneinstrahlung und halten längere Haare aus dem Gesicht. Für Schwimmer, die leicht frieren, bietet eine Neopren-Badekappe deutlich mehr Wärme.

Bei diesen Temperaturen sollte man sich auch Gedanken darüber machen, was unmittelbar nach dem Verlassen des Wassers passiert. Nasse Haut kühlt selbst bei einer leichten Brise schnell ab. Ein Handtuch, ein Bademantel, warme Kleidung und trockene Schuhe am Ufer bereitzuhalten, kann den Unterschied zwischen einem angenehmen Schwimmerlebnis und einer unangenehmen Erholung ausmachen.

12–15 °C: Bedingungen zum Schwimmen in kaltem Wasser

Wasser mit einer Temperatur zwischen 12 °C und 15 °C sollte als wirklich kalt betrachtet werden.

Regelmäßige Freiwasserschwimmer schwimmen bei diesen Temperaturen mitunter bewusst ohne Neoprenanzug, was aber meist auf eine allmähliche Akklimatisierung und nicht auf schlichte Abhärtung zurückzuführen ist. Wer nur an beheizte Schwimmbäder oder warmes Sommerwasser gewöhnt ist, kann beim Eintauchen ins Wasser eine starke Kältereaktion verspüren.

Ein guter Neoprenanzug mit einer Dicke von etwa 3 mm ist für viele Schwimmer ausreichend. Manche Neoprenanzüge verwenden unterschiedlich dicke Materialien am Körper, wobei das Neopren am Oberkörper dicker und im Schulterbereich dünner ist, um mehr Bewegungsfreiheit zu gewährleisten.

Neopren-Accessoires gewinnen ebenfalls zunehmend an Nutzen.

Eine Neopren-Badekappe oder -haube reduziert den Wärmeverlust und macht das Schwimmen deutlich angenehmer. Neoprenhandschuhe und Schwimmsocken oder -schuhe schützen Hände und Füße, die oft zu den ersten Körperteilen gehören, die schmerzhaft kalt werden.

Auch die Sichtbarkeit sollte berücksichtigt werden. Da man im Meer häufig abseits von Badezonen schwimmt, ist eine gut sichtbare Badekappe empfehlenswert. Viele Freiwasserschwimmer verwenden zudem eine Schleppboje – eine leuchtend farbige, aufblasbare Boje, die mit einem Hüftgurt befestigt wird –, um die Sichtbarkeit für Boote, Stand-Up-Paddler und andere Wassersportler zu verbessern.

8–12 °C: Spezielle Kaltwasserausrüstung empfohlen

Unterhalb von etwa 12 °C gehört das Schwimmen im Meer zu einer Kategorie, bei der die Vorbereitung zunehmend wichtig wird.

Erfahrene Winterschwimmer gehen bei diesen Temperaturen manchmal nur mit Badeanzug und Badekappe ins Wasser. Das sollte jedoch nicht als allgemeiner Hinweis darauf verstanden werden, dass minimale Kleidung für jeden geeignet ist. Die Kältetoleranz ist sehr individuell, und die Akklimatisierung erfolgt in der Regel erst allmählich durch wiederholten Kontakt mit dem Wasser.

Für Schwimmer, die einen besseren Schutz wünschen, bietet ein Neoprenanzug von etwa 4 bis 5 mm Dicke deutlich mehr Isolation. Eine Neoprenhaube, Handschuhe und Füßlinge können ebenfalls sinnvoll sein.

Die Passform des Neoprenanzugs ist besonders wichtig. Ein Neoprenanzug hält den Schwimmer nicht vollständig trocken. Stattdessen dringt eine dünne Wasserschicht zwischen Neopren und Haut ein und wird vom Körper erwärmt. Ist der Anzug zu locker, zirkuliert ständig kaltes Wasser hindurch, wodurch seine Isolierwirkung stark reduziert wird.

Der Anzug sollte daher eng anliegen, ohne die Atmung oder die Schulterbewegung einzuschränken.

Die Schwimmdauer sollte bei sinkenden Temperaturen ebenfalls reduziert werden. Es gibt keine allgemeingültige Formel dafür, wie lange man sich gefahrlos in kaltem Wasser aufhalten kann, da Körpergröße, Erfahrung, körperliche Verfassung, Bewegung und Wetterbedingungen die Abkühlung beeinflussen.

Unter 8 °C: Schwimmen in extrem kaltem Wasser

Wasser unter 8°C ist extrem kalt und verdient größten Respekt.

Für die meisten Schwimmer ist ein gut sitzender Winter-Neoprenanzug mit Thermozubehör die vernünftigste Wahl. Je nach Bedingungen und Aktivität kann dies einen 5-mm-Neoprenanzug zusammen mit einer Neoprenhaube, Handschuhen und Füßlingen bedeuten.

Manche passionierte Winterschwimmer schwimmen auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ohne Neoprenanzug. Dies ist eine spezielle Form des Freiwasserschwimmens, die typischerweise von Menschen praktiziert wird, die ihre Toleranz gegenüber extremen Temperaturen über einen langen Zeitraum aufgebaut haben.

Kaltes Wasser kann unmittelbar nach dem Eintauchen einen unwillkürlichen Atemreflex und beschleunigte Atmung auslösen. Langsames Eintauchen, das Aufbleiben in unmittelbarer Nähe eines Ausstiegspunkts und das Vermeiden plötzlicher Sprünge in sehr kaltes Wasser sind sinnvolle Vorsichtsmaßnahmen.

Allein zu schwimmen ist besonders bei sehr kalten Bedingungen unklug. Ein anderer Schwimmer oder eine Person, die vom Ufer aus zuschaut, bietet zusätzliche Sicherheit.

Beurteilen Sie die Bedingungen nicht allein anhand der Wassertemperatur.

Das Thermometer erzählt nur einen Teil der Geschichte.

Ein ruhiger, sonniger Tag mit 14 °C Wassertemperatur kann sich völlig anders anfühlen als 14 °C Wassertemperatur bei starkem Wind, Regen und rauer See. Ebenso ist ein zehnminütiges Schwimmen in Ufernähe etwas ganz anderes als ein einstündiges Schwimmen an der Küste.

Auch die Intensität Ihres Schwimmtrainings spielt eine Rolle. Kontinuierliches Kraulen erzeugt deutlich mehr Wärme als Brustschwimmen in entspanntem Tempo, Schnorcheln oder einfaches Treibenlassen.

Auch die individuelle Physiologie spielt eine Rolle. Körperzusammensetzung, Durchblutung, Alter, Erfahrung und vorheriger Kontakt mit kaltem Wasser können beeinflussen, wie schnell jemand sich unwohl fühlt.

Aus diesem Grund wählen erfahrene Meeresschwimmer ihre Ausrüstung selten allein nach der Temperatur aus. Sie berücksichtigen alle Bedingungen.

Auch was Sie nach dem Schwimmen tragen, ist wichtig.

Einer der am meisten übersehenen Aspekte beim Schwimmen in kalten Gewässern findet statt, nachdem man das Meer verlassen hat.

Der Körper kann nach dem Schwimmen noch eine Weile weiter abkühlen. Daher ist es bei kälteren Bedingungen unerlässlich, schnell in warme, trockene Kleidung zu wechseln.

Ein großes Handtuch oder ein Bademantel erleichtert das Anziehen, besonders an exponierten Stränden. Lockere Kleidung ist meist vorzuziehen, da kalte Hände das Öffnen und Schließen von Knöpfen, Reißverschlüssen und engen Kleidungsstücken überraschend schwierig machen können.

Eine warme Mütze, eine isolierte Jacke, dicke Socken und leicht anzuziehende Schuhe sind beim Winterschwimmen besonders nützlich.

Das Ziel ist einfach: ohne unnötige Verzögerung trocken werden, sich anziehen und aufwärmen.

Die beste Regel ist, sich dem Anlass entsprechend zu kleiden.

Es gibt keine Kleidung, die für jede Temperatur geeignet ist.

Ein Schwimmer kann problemlos 30 Minuten in 14 °C kaltem Wasser nur mit Badehose schwimmen, während sich ein anderer in einem 3 mm dicken Neoprenanzug deutlich wohler fühlt. Keine der beiden Varianten ist per se besser.

Für alle, die noch nie im Meer geschwommen sind, gilt generell: vorsichtig anfangen. Tragen Sie mehr Wärmeschutzkleidung als Sie denken, halten Sie Ihre ersten Schwimmeinheiten relativ kurz und beobachten Sie, wie Ihr Körper reagiert.

Mit etwas Erfahrung können Sie Ihre Ausrüstung an die jeweiligen Bedingungen anpassen.

Es geht nicht darum, zu beweisen, wie viel Kälte man verträgt. Die richtige Kleidung ist diejenige, die es einem ermöglicht, bequem, sicher und unbeschwert im Meer zu schwimmen und es so zu genießen.

Happy
Glücklich
0 %
Sad
Traurig
0 %
Excited
Aufgeregt
0 %
Sleepy
Schläfrig
0 %
Angry
Wütend
0 %
Surprise
Überraschung
0 %